„Junior Suite“ ist kein geschützter Begriff

Es gibt eine überraschend präzise Definition dafür, was eine Suite ist, zumindest in den 22 Ländern der Hotelstars Union, zu denen die Schweiz gehört. Der Kriterienkatalog formuliert es so: Eine Suite besteht aus mindestens zwei getrennten Räumen, einer als Schlafzimmer eingerichtet, einer als Wohnraum. Die Räume müssen nicht durch eine Tür verbunden sein, eine Öffnung genügt.

Und dann steht dort der entscheidende Satz: Junior Suiten sind davon ausdrücklich ausgenommen. Eine Junior Suite ist im Sinne dieser Klassifizierung eben keine Suite. Was sie stattdessen ist, definiert niemand. In der Praxis ist es meistens ein grösseres Zimmer, in dem eine Sitzecke steht.

Dasselbe gilt erst recht für „Deluxe“, „Superior“, „Premium“ oder „Executive“. Diese Wörter sind nirgends definiert. Ein Superior-Zimmer im Haus A kann kleiner sein als ein Standardzimmer im Haus B. Die Namen ordnen ausschliesslich innerhalb eines Hauses, und selbst dort ordnen sie nach Preis, nicht zwingend nach Qualität.

Dazu passt, dass die Zimmergrösse im Klassifizierungssystem nur ein Wahlkriterium ist, das Punkte bringt, aber keine Bedingung für eine Sternekategorie darstellt. Die Kategoriennamen sind also weder extern definiert noch an die Sterne gekoppelt.

Die einzig sinnvolle Frage

Nicht „Welche Kategorie ist besser?“, sondern „Was genau ist an diesem Zimmer anders als am günstigeren?“ Wer das nicht in einem Satz beantwortet bekommt, zahlt für ein Wort.

Wofür Ihr tatsächlich zahlt

Hinter jedem Aufpreis steckt einer von vier Faktoren, manchmal mehrere. Es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten, weil sie sehr unterschiedlich viel wert sind.

  • Lage im Haus. Etage, Himmelsrichtung, Abstand zu Lift, Bar, Küche und Anlieferung. Der am meisten unterschätzte Faktor und derjenige, der über den Schlaf entscheidet.
  • Aussicht. Der am stärksten bepreiste Faktor und der mit den meisten Zwischenstufen: „Sea View“, „Partial Sea View“, „Sea Glimpse“. Die letzten beiden bedeuten, dass Meer vorkommt.
  • Fläche. Quadratmeter und manchmal ein Balkon. Wird am häufigsten verkauft und ist am seltensten das, was den Aufenthalt verändert.
  • Zugang und Leistungen. Club Lounge, Frühstück inbegriffen, später Check-out, Transfers. Das ist der einzige Faktor, den man exakt durchrechnen kann.

Wann der Aufpreis sich lohnt

  • Wenn die Aussicht der Grund für die Reise ist. Bei einem Haus, dessen ganzer Sinn die Lage ist, wäre das Zimmer zur Rückseite eine seltsame Entscheidung. Hier ist der Aufpreis kein Luxus, sondern der Kaufgrund.
  • Bei langen Aufenthalten. Ab etwa fünf Nächten fängt Fläche an zu zählen, weil man Sachen auspackt, im Zimmer arbeitet oder liest, und zu zweit gleichzeitig Platz braucht.
  • Wenn Ihr geräuschempfindlich seid. Der Aufpreis für die ruhige Seite ist praktisch immer gerechtfertigt. Schlechter Schlaf ruiniert eine Reise zuverlässiger als ein kleines Bad.
  • Bei einer Club-Lounge, wenn die Rechnung aufgeht. Kostet der Zugang 120 Franken pro Nacht und enthält Frühstück für zwei, Apéro und Getränke, dann ist das oft günstiger als dasselbe à la carte. Kostet er 120 Franken und Ihr wollt abends ohnehin auswärts essen, zahlt Ihr für ein Buffet, das Ihr nicht nutzt.
  • Balkon oder Terrasse in warmen Zielen. Der einzige Flächenaufpreis, den ich fast immer verteidige, weil er den Raum tatsächlich vergrössert und die Zeit im Zimmer verändert.

Wann er sich nicht lohnt

  • Bei kurzen Städtereisen. Bei drei Nächten seid Ihr zum Schlafen im Zimmer. Zwanzig Quadratmeter mehr sind dann der schlechteste Verwendungszweck für dieses Geld. Steckt es in die Lage des Hauses.
  • Wenn der Aufpreis nur Quadratmeter kauft. Gleiche Etage, gleiche Ausrichtung, gleiches Bad, nur grösser: Das ist der klassische Fall, in dem die zweitbeste Kategorie die klügere Wahl ist.
  • Bei „Partial View“. Diese Kategorie existiert, weil sie sich verkaufen lässt. Entweder Ihr wollt die Aussicht und nehmt die volle Kategorie, oder Ihr wollt sie nicht und nehmt die günstigste. Die Mitte ist meistens ein Aufpreis für einen Ausschnitt.
  • In der höchsten Kategorie eines Hauses. Die teuerste Suite ist selten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie existiert oft, damit die zweithöchste günstig aussieht.
  • Wenn Ihr ohnehin ein Upgrade bekommen könntet. Dazu gleich mehr.

Die Rechnung, die niemand macht

Rechnet den Aufpreis auf die Zeit um, die Ihr tatsächlich wach im Zimmer verbringt. Zehn Nächte, 90 Franken Aufpreis pro Nacht, das sind 900 Franken. Wenn Ihr an einem Strandurlaub pro Tag drei wache Stunden im Zimmer seid, zahlt Ihr rund 30 Franken pro Stunde für mehr Fläche. Dasselbe Geld kauft im selben Haus zehn sehr gute Abendessen oder einen privaten Bootstag.

Das ist kein Argument gegen Upgrades. Es ist ein Argument dafür, die Frage bewusst zu stellen, statt sie im Buchungsprozess nebenbei zu beantworten, wo sie als harmlose Auswahl daherkommt.

„Run of House“ und was bei der Zuteilung wirklich passiert

Manche Raten werden ohne feste Kategorie verkauft. Das Zimmer wird bei der Ankunft zugeteilt, je nach Verfügbarkeit. Das kann gut ausgehen und ist im Zweifel die Kategorie, die niemand sonst wollte.

Ebenso wichtig: Eine Kategorie ist keine Zimmernummer. Innerhalb derselben Kategorie liegen Zimmer über der Anlieferung und Zimmer mit Blick über den Garten, renovierte und noch nicht renovierte. Der Unterschied innerhalb einer Kategorie ist häufig grösser als der zwischen zwei Kategorien.

Deshalb ist die wirksamste Massnahme nicht das Upgrade, sondern die konkrete Bitte: eine hohe Etage, weg vom Lift, zur ruhigen Seite, ein renoviertes Zimmer. Das kostet nichts und wird häufiger erfüllt, als die meisten annehmen, wenn es rechtzeitig und namentlich hinterlegt ist statt an der Rezeption erwähnt.

Was Ihr fragen solltet, bevor Ihr upgradet

  • Was genau unterscheidet diese Kategorie von der darunter, ausser der Fläche?
  • In welcher Etage und zu welcher Seite liegen die Zimmer dieser Kategorie?
  • Ist die Aussicht garantiert oder nach Verfügbarkeit?
  • Wann wurde diese Kategorie zuletzt renoviert, und die darunter?
  • Gibt es innerhalb der Kategorie Zimmer, die Ihr nicht empfehlen würdet?

Die letzte Frage ist die beste. Wer sie ehrlich beantwortet, arbeitet in einem Haus, das seine Gäste ernst nimmt.

Der Preis, der nicht im Zimmerpreis steht

Beim Vergleich von Kategorien lohnt der Blick auf verpflichtende Zusatzgebühren. In den USA sind Resort Fees und Destination Fees jahrelang erst am Ende des Buchungsprozesses aufgetaucht. Seit dem 12. Mai 2025 gilt dort eine Regel der Handelsaufsicht FTC, die für Hotels und kurzzeitige Beherbergung vorschreibt, den tatsächlichen Gesamtpreis inklusive aller verpflichtenden Gebühren klar und deutlich anzugeben, wann immer ein Preis gezeigt oder beworben wird. Der Gesamtpreis muss die auffälligste Angabe sein; Steuern dürfen zwar getrennt ausgewiesen werden, müssen aber vor der Eingabe der Zahlungsdaten offengelegt sein.

Für Euch heisst das zweierlei. Erstens sind US-Preise jetzt besser vergleichbar als früher. Zweitens ist die Gebühr damit nicht verschwunden, sondern nur sichtbar geworden. Sie kann ein Zimmer, das 40 Franken günstiger aussieht, im Ergebnis teurer machen als das mit Frühstück.

In Europa sind ausgewiesene Preise üblicherweise inklusive; hier ist die häufigste Überraschung die Kurtaxe, die pro Person und Nacht vor Ort dazukommt.

Die kurze Fassung

Kategoriennamen sind nicht definiert und ordnen nur innerhalb eines Hauses. Zahlt für Lage und Ruhe, prüft Aussicht und Leistungen mit der Rechnung, und seid vorsichtig bei reinen Flächenaufpreisen und bei allem, was „partial“ heisst. Und bevor Ihr aufrüstet: Eine konkrete Zimmerbitte in der richtigen Kategorie bringt oft mehr als eine Kategorie höher an der falschen Stelle.

Reise anfragen

Quellen

  • Hotelstars Union, Kriterienkatalog 2025–2030, Definition der Suite und Zimmergrössen-Kriterien
  • Federal Trade Commission, Rule on Unfair or Deceptive Fees, in Kraft seit 12. Mai 2025